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Unterschiedliche Routing-Algorithmen (Wegberechnung) bei Komoot und Outdooractive

Die Routing-Algorithmen von Komoot und Outdooractive sind unterschiedlich aufgebaut, was zu abweichenden Routenvorschlägen führt, obwohl beide auf der Basis von OpenStreetMap (OSM)-Daten arbeiten.

Der wesentliche Unterschied liegt in der Datenbasis, die zur Gewichtung der Wege herangezogen wird, und der Philosophie der Wegberechnung.

 

Komoot: Das "Smart-Routing" und Community-Wissen

Komoot nutzt einen proprietären Algorithmus, der oft als "Smart-Routing" bezeichnet wird und stark auf die Erfahrung der Community setzt.

  • Algorithmus-Fokus: Individualisierung und Nutzererfahrung.

Der Algorithmus berechnet die Route nicht nur nach der kürzesten oder schnellsten Verbindung, sondern versucht, die "schönste" oder sportartspezifisch am besten geeignete Route zu finden, basierend auf dem gewählten Aktivitätstyp (z. B. Wandern, Rennrad, Mountainbike, Gravelbike).

  • Präziser Algorithmus-Ansatz (Gewichtungsfaktoren):
    1. Sportartspezifische Priorisierung: Die Gewichtung der Wege hängt stark von der gewählten Sportart ab. Beispielsweise werden für das Rennradfahren Wege mit glattem Asphalt und niedriger Steigung priorisiert, während für Mountainbike-Touren Singletrails und höhere Schwierigkeitsgrade (basierend auf der Single-Trail-Skala S0-S5) bevorzugt werden.
    2. Community-Highlights (UGC): Dies ist der wichtigste Unterscheidungsfaktor. Der Algorithmus priorisiert Segmente, auf denen die Community sogenannte "Highlights" (besonders schöne Orte, Aussichtspunkte, technisch interessante Abschnitte) gesetzt hat. Diese Daten aus Millionen von aufgezeichneten Touren und Bewertungen fließen in die Berechnung ein.
    3. Wegbeschaffenheit und Wegtypen (OSM-Daten): Komoot nutzt die detaillierten Informationen aus OSM über die Oberflächenbeschaffenheit (surface=, z. B. asphalt, gravel, dirt) und den Wegtyp (highway=). Beispielsweise werden bei einer Gravel-Tour asphaltierte Hauptstraßen zugunsten von geschotterten Wirtschaftswegen abgewertet.
    4. Kontinuierliches Lernen: Der Algorithmus lernt kontinuierlich aus dem Verhalten der Nutzer. Je mehr Touren auf einem bestimmten Weg aufgezeichnet werden, desto höher wird dessen Relevanz für die entsprechende Sportart bewertet.

 

Outdooractive: Der "Data Hub" und touristische Qualität

Outdooractive verfolgt einen Ansatz, der stärker auf standardisierte touristische Daten und die Qualität des Weges (im Sinne von touristischer Nutzung) ausgerichtet ist.

  • Algorithmus-Fokus: Vielfalt, touristische Relevanz und offizielle Daten.

Der Algorithmus legt Wert darauf, Touren zu planen, die auf offiziellen Wegenetzen basieren oder eine hohe touristische Qualität aufweisen. Outdooractive bietet im Vergleich zu Komoot eine deutlich größere Auswahl an Sportarten, was die Komplexität der Routing-Logik erhöht.

  • Präziser Algorithmus-Ansatz (Gewichtungsfaktoren):
    1. Offizielle Wegnetze (B2B-Integration): Outdooractive integriert und priorisiert Daten aus seinem Data Hub, der Touren und Weginformationen von Tausenden von Tourismusorganisationen und Destinationen weltweit aggregiert. Routen entlang offiziell ausgewiesener Wanderwege, Radwege oder Fernrouten erhalten eine höhere Gewichtung.
    2. Vielzahl von Sportarten: Der Algorithmus muss Routen für über 40 Sportarten (von Wandern über Skitouren bis Reiten) berechnen. Die Gewichtung erfolgt über sehr detaillierte Profile, die spezifische Attribute (wie z. B. Hangneigung, Lawinengefahr, Wegbreite) einbeziehen, die über die Basis-OSM-Daten hinausgehen.
    3. Topografische Daten und Kartenmaterial: Outdooractive nutzt oft spezifisches, hochwertigeres topografisches Kartenmaterial (z. B. Alpenvereinskarten oder proprietäre Vektorkarten in den Pro-Versionen), was zu einer präziseren Berechnung von Höhenprofilen und der Vermeidung von ungeeignetem alpinem Gelände führen kann.
    4. Redaktionelle Inhalte: Im Gegensatz zu Komoots Highlights, legt Outdooractive mehr Wert auf redaktionell erstellte und geprüfte Tourenvorschläge von Partnern. Der Algorithmus berücksichtigt die Klassifizierung und Qualitätsbewertung dieser professionellen Inhalte.

Die Routing-Algorithmen von Komoot, Outdooractive, Mapy.cz und AllTrails unterscheiden sich in ihrer Datenbasis, Priorisierung von Wegen, Nutzerinteraktion und technischen Umsetzung. Hier eine detaillierte Gegenüberstellung der wichtigsten Aspekte:

 

1. Datenbasis und Kartengrundlage

Komoot: OpenStreetMap + Community-Feedback
Outdooractive: Amtliche Daten (D/AT/CH/IT) + OpenStreetMap, je nach Abo-Stufe

2. Routing-Algorithmen: Priorisierung und Logik

a) Komoot

  • Fokus: Nutzererfahrung und Beliebtheit von Routen.
  • Algorithmus:
    • Nutzt Machine Learning, um Routen basierend auf historischen Nutzerdaten (z. B. häufig genutzte Wege) zu priorisieren.
    • Berücksichtigt Bewertungen (z. B. "schöne Aussicht") und Aktivitätstyp (Wandern, MTB, Rennrad).
    • Dynamische Anpassung: Wenn viele Nutzer eine Abkürzung nehmen, wird diese in zukünftigen Vorschlägen berücksichtigt.
    • Schwierigkeitsgrad: Berechnet Steigungen, Untergrund und Länge, um Routen zu klassifizieren.
  • Schwächen:
    • In abgelegenen Regionen mit wenigen Nutzerdaten können Vorschläge ungenau sein.

b) Outdooractive

  • Fokus: Offizielle Wege + Nutzerfeedback.
  • Algorithmus:
    • Kombiniert amtliche Wegedaten (z. B. von Tourismusverbänden) mit Nutzer-Tracks.
    • Priorisiert markierte Wege (z. B. Wanderwege mit Wegweisern) und vermeidet "wilde Pfade".
    • 3D-Geländedaten: Berücksichtigt Höhenprofile präzise für alpine Routen.
    • Sicherheitsfilter: Warnt vor gefährlichen Passagen (z. B. Klettersteige).
  • Stärken:
    • Ideal für offizielle Touren (z. B. in den Alpen).
    • Enge Zusammenarbeit mit lokalen Behörden.

c) Mapy.cz

  • Fokus: Topografische Genauigkeit und lokaler Kontext.
  • Algorithmus:
    • Nutzt eigene, hochauflösende Kartendaten (besonders stark in Tschechien/Slowakei).
    • Routing basiert auf physischen Gegebenheiten (z. B. Wegebreite, Oberflächenbeschaffenheit).
    • Weniger Community-Einfluss: Nutzer können Wege ergänzen, aber der Algorithmus verlässt sich stärker auf amtliche Daten.
    • Offroad-Routing: Bietet detaillierte Optionen für unmarkierte Wege (z. B. für Jäger oder Mountainbiker).
  • Besonderheit:
    • Zeigt historische Karten und Luftbilder zur Orientierung.

d) AllTrails

  • Fokus: Einfachheit und visuelle Attraktivität.
  • Algorithmus:
    • Priorisiert beliebte Nutzerrouten und Fotopunkte (z. B. "Instagram-taugliche" Spots).
    • Weniger technische Details: Keine komplexe Geländebewertung, sondern Fokus auf "schöne" Routen.
    • Kategorisierung: Routen werden nach Länge, Schwierigkeit (subjektiv) und Aussicht sortiert.
    • Schwächen:
      • Weniger präzise für technische Aktivitäten (z. B. Trailrunning oder alpine Touren).

Fazit: Welche App für welchen Zweck?

  • Für offizielle Wanderwege und Sicherheit: Outdooractive (beste Kombination aus amtlichen Daten und Nutzerfeedback).
  • Für dynamische, beliebte Routen: Komoot (ideal für Mountainbike, Trailrunning und Entdecker).
  • Für topografische Genauigkeit (v. a. Tschechien/Slowakei): Mapy.cz.
  • Für einfache, visuell ansprechende Routen: AllTrails (gut für Familien und Gelegenheitswanderer).

"Wegpunkt" und "Routenanker"

Wegpunkt und Routenanker sind Begriffe aus der Navigation, die zur Planung von Routen verwendet werden, jedoch unterschiedliche Funktionen und Auswirkungen auf die Routenberechnung haben.

Definitionen

  • Wegpunkt (Waypoint): Ein Wegpunkt ist eine bestimmte, gespeicherte geografische Position (definiert durch Koordinaten wie Breitengrad und Längengrad). Er dient als Referenzpunkt, Ziel oder Zwischenstopp entlang einer Route. Wegpunkte werden explizit vom Nutzer gesetzt und können zusätzliche Informationen wie Name oder Symbol enthalten.
  • Routenanker (auch Shaping Point oder Via Point genannt): Der Begriff "Routenanker" ist nicht so standardisiert wie "Wegpunkt", wird aber in einigen Navigationssystemen und Routenplanungs-Software verwendet, um Wegpunkte innerhalb einer Route nach ihrer Funktion zu unterscheiden.
    • Via-Punkt (oder Routenanker im engeren Sinne): Ein Pflicht-Zwischenstopp, der unbedingt erreicht werden muss oder an dem eine Navigationsansage erfolgen soll.
    • Shaping-Punkt (Formungspunkt): Ein Punkt, der gesetzt wird, um die Form des Routenverlaufs zu beeinflussen, ohne dass man ihn zwingend anfahren oder eine Ansage erhalten müsste. Er "zieht" die berechnete Route an diesen Punkt heran, um einen bestimmten Straßen- oder Wegabschnitt zu nutzen.

Unterschiede und Auswirkungen auf die Routenplanung

Der Hauptunterschied liegt in der Verbindlichkeit und der Interaktion mit der Routenberechnungslogik des Navigationssystems.

 

Merkmal Wegpunkt (allgemein) Routenanker (Via-Punkt) Routenanker (Shaping-Punkt)
Zweck Gespeicherte Position, Ziel, Zwischenziel Verbindlicher Zwischenstopp Beeinflussung des Routenverlaufs
Navigationsansage Ja (i.d.R. mit Ansage) Ja (Zielansage) Nein (wird oft "stumm" passiert)
Muss angefahren werden? Ja (muss passiert werden) Ja (Pflicht) Nein (Wegführung)
Anzeige auf Karte Als Symbol/Fähnchen deutlich sichtbar Als Symbol/Fähnchen deutlich sichtbar Oft nur als kleiner Punkt oder gar nicht sichtbar
Routenänderung (bei Abweichung) Das Navi versucht, Sie zum Wegpunkt zurückzuführen. Das Navi führt Sie zurück zum Via-Punkt. Das Navi berechnet neu auf den Weg zum nächsten Via-Punkt/Ziel und kann den Shaping-Punkt auslassen.

Auswirkungen auf die Routenplanung

  • Flexibilität:
    • Das Setzen von Via-Punkten (verbindlichen Routenankern) macht die Route weniger flexibel, da das System den Fahrer zwingend zu diesem Punkt leitet, selbst bei einer verpassten Abzweigung.
    • Das Setzen von Shaping-Punkten (Formungspunkten) ermöglicht eine präzisere Steuerung des gewünschten Weges (z.B. um eine schöne Panorama-Straße zu nutzen), ohne die Nachteile ständiger Ansagen oder strenger Rückführung bei Abweichung in Kauf nehmen zu müssen.
  • Routenberechnung:
    • Bei einer Route von A nach B, die durch einen Wegpunkt/Via-Punkt unterbrochen wird, berechnet das System zwei separate Strecken: A $\to$ Wegpunkt und Wegpunkt $\to$ B.
    • Shaping-Punkte werden vom Algorithmus genutzt, um die Verbindungslinie zwischen zwei Via-Punkten oder dem Start/Ziel an die gewünschte Straße zu binden.

Routenpunkt

In Komoot wird nicht explizit zwischen "Wegpunkt" und "Shaping-Punkt" unterschieden, sondern die Funktion eines gesetzten Punktes (dort "Routenpunkt" genannt) hängt von seiner Einstellung ab.

So setzen und definieren Sie Routenpunkte in Komoot:

1. Routenpunkt setzen

  1. Starten Sie die Planung: Öffnen Sie den Routenplaner (Webseite oder App) und geben Sie Start und Ziel an.
  2. Punkt hinzufügen: Klicken oder tippen Sie auf die gewünschte Stelle auf der Karte, an der Ihre Route vorbeiführen soll. Es erscheint ein kleines Fenster.
  3. Hinzufügen als Stopp: Wählen Sie "Als Routenpunkt hinzufügen". Der Punkt wird zur Routenleiste hinzugefügt.

2. Den Routenpunkt definieren (Via-Punkt vs. Shaping-Punkt)

Sobald der Routenpunkt gesetzt ist, können Sie ihn in der linken Routenleiste anklicken und seine Funktion ändern:

Name in KomootFunktionEntsprechung im Fachjargon
Ziel (Standard)Der Routenpunkt ist ein offizielles Zwischenziel oder ein Start-/Endpunkt.Via-Punkt / Routenanker
Passieren (empfohlen)Der Routenpunkt wird nur verwendet, um die Route über einen bestimmten Weg zu lenken, wird aber nicht als Ziel angesagt oder als obligatorischer Stopp behandelt.Shaping-Punkt / Formungspunkt

 

Wie sich die Einstellung auswirkt:

  • Routenpunkt als Ziel (Via-Punkt):
    • Die Navigation gibt eine Ansage aus, dass Sie das Zwischenziel erreicht haben.
    • Das System behandelt dies als obligatorischen Stopp. Wenn Sie sich von der Route entfernen, wird versucht, Sie immer zu diesem Punkt zurückzuführen, bevor die Navigation zum nächsten Ziel fortgesetzt wird.
  • Routenpunkt als Passieren (Shaping-Punkt):
    • Dies ist die wichtigste Funktion, um die Route präzise zu formen.
    • Sie erhalten keine Ansage über das Erreichen dieses Punktes.
    • Wenn Sie den Punkt knapp verpassen, berechnet Komoot die Route einfach neu in Richtung des nächsten Via-Punkts oder des Endziels. Das ist ideal, um kleine Umwege über Aussichtspunkte oder bestimmte Waldwege zu erzwingen, ohne die Flexibilität zu verlieren.

Tipp: Verwenden Sie fast immer die Option "Passieren" für Routenpunkte, die Sie nur zur Steuerung des Weges benötigen und reservieren Sie die Option "Ziel" nur für Orte, an denen Sie wirklich anhalten und eine Ansage erhalten möchten (z.B. Parkplatz, Hütte, offizieller Treffpunkt).