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Natursport Wandern im Schwarzwald

Neue Herausforderungen für ein altes Thema

Das Wandern im Schwarzwald bleibt trotz gesellschaftlicher und klimatischer Veränderungen die mit Abstand häufigste Freizeitaktivität in Mittelgebirgsdestinationen. Studien und aktuelle Besucherzahlen bestätigen, dass Wandern nicht nur bei traditionellen Zielgruppen wie Best Agern, sondern zunehmend auch bei jungen Menschen, Familien und Outdoor-Enthusiasten beliebt ist. Besonders Angebote aus dem Outdoor- und Trekkingbereich – etwa geführte Touren, Gepäcktransfer oder kombinierte Mountainbike-Wander-Pakete – erweitern die Zielgruppen und sorgen für eine breitere Alters- und Interessensstreuung. Gleichzeitig ergänzen sich Wandern und Mountainbiken zunehmend: Viele Regionen entwickeln gemeinsame Routenkonzepte, die beide Sportarten verbinden und so Synergien für den Tourismus schaffen.

Doch diese positive Entwicklung steht vor erheblichen Herausforderungen. Das „Multifunktions-Waldmodell“, das Forstwirtschaft, Naturschutz und Erholung unter einen Hut bringen soll, wird in der Praxis zunehmend ausgehöhlt. Ökonomische Zwänge in der Forstwirtschaft – etwa durch sinkende Holzpreise und steigende Kosten für die Waldpflege – führen dazu, dass viele Flächen nicht mehr nachhaltig bewirtschaftet werden können. Gleichzeitig reduzieren Kommunen ihre Aufgaben außerhalb des Kerngeschäfts, was sich direkt auf die Pflege von Wanderwegen und Infrastruktur auswirkt. Parkplätze, Rastplätze und Sanitäranlagen werden seltener instand gehalten, und die Beschilderung leidet unter Investitionsstau.

Ein weiteres zentrales Problem ist der Rückgang des ehrenamtlichen Engagements. Viele Ortsgruppen des Schwarzwaldvereins berichten von Überalterung und Nachwuchsmangel, was dazu führt, dass pflegeintensive Pfade aufgegeben oder nur noch notdürftig instand gehalten werden. Die Folgen sind Pflegerückstände bei der Wegemarkierung, der Beseitigung von Sturmschäden und der Instandhaltung von Schutzhütten und Rastplätzen. Besonders betroffen sind abgelegene oder anspruchsvolle Routen, die ohne regelmäßige Pflege schnell unpassierbar werden.

Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Gäste: Immer mehr Wanderer und Trekking-Enthusiasten wünschen sich hochwertige Infrastruktur, digitale Services wie GPS-gestützte Routenplanung und nachhaltige Übernachtungsmöglichkeiten. Doch die Bereitschaft, Einnächter entlang der Fernwanderwege aufzunehmen, sinkt – viele Gasthöfe und Pensionen, besonders in ländlichen Gebieten, kämpfen um ihre Existenz. Das „Sterben der Dorfgasthöfe“ ist ein alarmierendes Signal, da diese nicht nur als Unterkunft, sondern auch als kulturelle Anlaufpunkte für Wanderer dienen. Zudem gibt es einen wachsenden Ruf nach „Rundwegen historischen Zuschnitts“, die lokale Geschichten und Landschaften erlebbar machen, anstelle des klassischen, übergreifenden Streckennetzes.

Die Zukunft des Wanderns im Schwarzwald hängt davon ab, wie diese Herausforderungen gemeistert werden. Dr. Thomas Coch, Experte für Natursport und Regionalentwicklung, betont: „Es braucht eine enge Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Kommunen, Forstwirtschaft und Tourismus, um die Attraktivität des Wanderns langfristig zu sichern.“ Dazu gehören die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements durch moderne Vereinsstrukturen und gezielte Nachwuchsarbeit, die Entwicklung klimaresilienter Wegekonzepte und die Förderung nachhaltiger Tourismusangebote. Nur so kann der Schwarzwald seine Position als eine der beliebtesten Wanderregionen Deutschlands auch in Zeiten des Klimawandels und gesellschaftlichen Wandels behaupten.

Zusammenfassung des Impulsvortrags von Dr. Thomas Coch anlässlich der Regionalkonferenz Südwest und Südost des Schwarzwaldvereins e.V., Münstertal, 8. November 2025